Jonas und der weiße Mönch - Andreas Schwarze online

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Jonas und der weiße Mönch

Buchprojekte

Autor | Grafik | Layout: Andreas Schwarze

Fantasy-Abenteuer für Kinder
Hardcover
84 Seiten
ISBN-13: 9783746063546
Verlag: Books on Demand
Erscheinungsdatum: 29.12.2017
Sprache: Deutsch
Farbe: Ja

Der aufgeweckte Dresdner Junge Jonas erkundet an seinem zehnten Geburtstag das verfallene alte Gehöft in seiner Straße und begegnet dort der anmutigen Fee Esperanza, die ihn in großer Not um Hilfe bittet. Nur er kann verhindern, dass die arglistige Fee Retromania den Menschen die Zukunft nimmt. Um die Aufgabe zu lösen, muss Jonas mit dem klugen Mönch Hieronymus aus dem Kloster Altzella eine verrückte und gefährliche Zeitreise antreten, die ihn aus unserer Gegenwart an abenteuerliche Orte der Vergangenheit führt. Mit viel Mut und der Kraft seiner Phantasie stellt sich Jonas dem bösen Zauber entgegen. Das Buch vermittelt Kindern eine spielerische und gleichzeitig fesselnde erste Begegnung mit sächsischer Geschichte und den Stärken und Schwächen eines Helden, der die Welt mit ihren Augen sieht.


Leseprobe

"Die Welt um das geheimnisvolle Gehöft war wie hinter einer unsichtbaren Wand verschwunden. Jonas schlug das Herz bis zum Hals, jetzt bekam er es doch mit der Angst zu tun. Er konnte jedoch nicht mehr umkehren.
Denn eine unbändige Kraft zog ihn magisch zum verfallenen Herrenhaus, direkt auf eine vermoderte Eingangstür zu, die von einem grünen Schimmel bedeckt war. Er wollte nach der antiken Klinke greifen – doch das brauchte er nicht, die übernatürliche Kraft zog ihn durch die geschlossene Tür hindurch und war verschwunden.
Erschrocken schaute Jonas sich um und wollte wieder ins Freie.
Aber, wo eben noch die Tür gewesen war, prangte das reichverzierte Zifferblatt einer gigantischen Standuhr. Er traute seinen Augen kaum. Das tickende Monster ging rückwärts! Er war also durch ein Zeittor gegangen und konnte nicht zurück.
Jonas fand sich in einer kleinen Halle mit gewölbter Decke und dachte: „Total abgefahren, das Haus ist innen größer als außen!“ Das Verrückteste jedoch war eine riesige Maschine in der Mitte.
In einem kunstvoll verstrebten Gerüst drehte sich ein hölzernes Rad mit goldenen Beschlägen, das von beeindruckendem Durchmesser war. Aber nein, es drehte sich ja gar nicht – es stand! Auch in dem goldenen Zahnradgetriebe dahinter, welches fast gänzlich von Grünspan überzogen war, rührte sich nichts.
Der ganze Apparat ruckte und ächzte und krachte, wie wenn er jeden Moment auseinanderfliegen wollte.
Erst jetzt entdeckte Jonas eine kleine Frau in einem sehr schicken Kleidchen, das golden strahlte, als ob es aus Licht gemacht wäre.
Die zarte Person war heftig schnaufend damit beschäftigt, einen dicken Balken zwischen Rad und Gerüst zu schieben, offenbar, um das Rad anzuhalten. Jonas war von seinen Eltern sehr höflich erzogen worden und sagte schön deutlich „Guten Tag!“. Doch die kleine Dame drehte sich nicht um, sondern zerrte und schob weiter an ihrem Kantholz und stieß angestrengt hervor: „Sie stören – wir haben ein Problem – kommen sie im nächsten Leben wieder!“
Plötzlich hielt sie inne, wandte sich zu Jonas, riss die Arme nach oben und rief laut juchzend:“ „Großartig! Du bist ein Kind! Und du bist heute zehn Jahre alt geworden!“ Und schon umarmte sie ihn so heftig, dass Jonas fast umfiel.
„Durch dieses Tor kann nur ein neugieriges Kind an seinem zehnten Geburtstag gelangen, allen anderen Menschen bleibt es ewig verschlossen. Wie heißt du?“ „Jonas!“ „Ich bin die Fee Esperanza. Du bist meine Rettung. Und wenn du clever und tapfer bist, vielleicht die Rettung der ganzen Welt. Aber nun hilf mir, das Rad anzuhalten. Denn du musst noch einiges wissen.“
Gemeinsam drückten die beiden mit ihrem ganzen Körpergewicht auf den Balken, bis er zwischen den Speichen des Rades steckte. „Mein Vater ist Temporus, der Zeitgeist, und dies ist das Rad der Geschichte. Er bewacht es und ölt es mit den Wünschen und Träumen der Menschen.  Es bewegt den goldenen Griffel, der alles, was jemals geschah, in die dicken Chroniken der Welt schreibt. Das Rad selbst wird von der Zeituhr hinter dir angetrieben.
Heute hatte mein Vater ungebetenen Besuch. Der Geist der Rückbesinnung, die boshafte und missgünstige Fee Retromania, hatte sich als strahlende und verführerische Fee der Zukunft verkleidet und begehrte Einlass. Mein Vater, der bereits mit den Feen der Vergangenheit und Gegenwart, den Schwestern der Zukunft, einige Partys gefeiert hatte, wollte nun auch sie unbedingt kennen lernen und ließ die falsche Schwester ein.  Im Handumdrehen vernebelte sie meinem Vater Temporus das Hirn, so dass er in einen tiefen Schlaf fiel. Dann tat Retromania, was sie schon lange geplant hatte: sie stahl von der Zeituhr die beiden großen Zuggewichte, die ,Neugier‘ und ,Schöpferkraft‘ heißen. Sofort begannen die Uhr und auch das Rad rückwärts zu laufen. So will Retromania die Geister der Gegenwart und Zukunft verjagen und über Zeit und Vergangenheit herrschen!“
In diesem Moment züngelten elektrische Blitz wie kleine Schlangen über das Rad, das heftig zu vibrieren begann. „Jonas, du musst die Gewichte zurückholen. Sonst haben wir alle keine Zukunft mehr. Ich glaub an dich. In deinen Augen sehe ich: Du kannst es! Geh jetzt zu Pater Hieronymus, der wird dir helfen! Ich versuche inzwischen hier das Schlimmste zu verhindern“. Jonas fand das alles sehr spannend, vor allem fand er die kleine Esperanza mit ihren großen blauen Augen sehr hübsch und wäre eigentlich lieber dageblieben.
Aber wenn hier ein Held verlangt wird – dann war er natürlich jetzt ein Held! „Okay, Esperanza“, sagte Jonas, und schaute die Fee verschmitzt an, „ich versuchs. Sag mir, wer ist Pater Hieronymus und wie komme ich zu ihm?“ „Ganz einfach!“ antwortete die goldige Fee und lächelte ebenso verschmitzt zurück. „Die vollgeschriebenen Chronikbücher reisen durch den Schlund des Vergessens in den Garten der Ewigkeit. Dort ist der Pater zu Hause.  Eins ist grade noch fertig geworden. Setz dich einfach drauf und – ab geht die Post!“  
Schon schob Esperanza den verdutzten Jonas auf das dicke Buch, welches vor der Maschine in einer blitzblanken goldenen Rinne lag. Sie führte direkt zu einem großen kreisrunden Loch in der Wand, aus dem wabernder grüner Nebel aufstieg.  
Jetzt klopfte Jonas das Herz bis zum Hals. Das war also doch kein Spaß hier."
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü